Schwindel

Schwindel ist eines der häufigsten Symptome in der Neurologie und kann viele Ursachen haben. In unserer Praxis in Böblingen verfügen wir über die moderne Diagnostik, um die Ursache Ihres Schwindels gezielt zu identifizieren und effektiv zu behandeln.

Was ist Schwindel?

Schwindel ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das auf unterschiedliche Störungen im Gleichgewichtssystem hinweisen kann. Das Gleichgewicht wird durch ein komplexes Zusammenspiel aus dem Innenohr, den Augen, der Tiefensensibilität (Propriozeption) und dem Gehirn aufrechterhalten. Wenn eine dieser Komponenten gestört ist, entsteht Schwindel.

Etwa jeder dritte Mensch erlebt im Laufe seines Lebens eine relevante Schwindelattacke. Schwindel kann als Drehgefühl, Schwankgefühl, Benommenheit oder Unsicherheit beim Gehen auftreten. Die gute Nachricht: Die meisten Schwindelformen sind gut behandelbar — vorausgesetzt, die richtige Diagnose wird gestellt.

Häufige Schwindelformen

In unserer Praxis diagnostizieren und behandeln wir alle gängigen Schwindelerkrankungen:

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)

  • Häufigste Schwindelform überhaupt — kurze, heftige Drehschwindelattacken
  • Ausgelöst durch Kopfbewegungen (Umdrehen im Bett, Kopf in den Nacken legen)
  • Dauer: meist nur Sekunden bis eine Minute, aber sehr intensiv
  • Ursache: losgelöste Ohrsteinchen (Otolithen) im Bogengang des Innenohrs
  • Sehr gut behandelbar durch spezielle Lagerungsmanöver (Erfolgsrate über 90 Prozent)

Morbus Menière

  • Attacken mit heftigem Drehschwindel über Minuten bis Stunden
  • Begleitend Hörminderung und Ohrgeräusche (Tinnitus) auf einer Seite
  • Druckgefühl im betroffenen Ohr
  • Ursache: Flüssigkeitsstau (Hydrops) im Innenohr
  • Behandlung: Akuttherapie und Anfallsprophylaxe mit Medikamenten

Vestibuläre Migräne

  • Schwindelattacken in Verbindung mit Migräne — nicht immer mit Kopfschmerzen
  • Drehschwindel oder Schwankschwindel über Minuten bis Stunden
  • Häufig begleitet von Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Zweithäufigste Ursache für wiederkehrende Schwindelattacken
  • Behandlung: Migräneprophylaxe und Akuttherapie

Weitere Schwindelformen

  • Neuritis vestibularis — akuter Ausfall des Gleichgewichtsnervs mit anhaltendem Drehschwindel
  • Funktioneller (phobischer) Schwankschwindel — durch Angst und erhöhte Selbstbeobachtung
  • Zentraler Schwindel — durch Störungen im Gehirn (z. B. Durchblutungsstörungen)
  • Altersschwindel — multisensorischer Schwindel durch Zusammenwirken mehrerer Faktoren

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen von Schwindel lassen sich in drei große Gruppen einteilen:

Peripher-vestibulärer Schwindel (Ursache im Innenohr oder Gleichgewichtsnerv): Hierzu gehören der Lagerungsschwindel, Morbus Menière und die Neuritis vestibularis. Diese Formen machen den Großteil aller Schwindeldiagnosen aus.

Zentral-vestibulärer Schwindel (Ursache im Gehirn): Durchblutungsstörungen, Migräne, Multiple Sklerose oder selten Tumoren im Bereich des Hirnstamms oder Kleinhirns können Schwindel verursachen.

Nicht-vestibulärer Schwindel: Kreislaufprobleme (orthostatische Hypotonie), Herzrhythmusstörungen, Medikamentennebenwirkungen, Augenerkrankungen oder psychische Ursachen wie Angststörungen.

Risikofaktoren

  • Höheres Alter — die Gleichgewichtsfunktion nimmt natürlicherweise ab
  • Vorausgegangene Schwindelerkrankungen — Lagerungsschwindel kann wiederkehren
  • Migräne — erhöht das Risiko für vestibuläre Migräne
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Risikofaktoren (Bluthochdruck, Diabetes)
  • Bestimmte Medikamente (Blutdruckmittel, Beruhigungsmittel, Antiepileptika)

Diagnostik in unserer Praxis

Die gezielte Diagnostik ist beim Schwindel besonders wichtig, da die Behandlung stark von der Ursache abhängt. Wir verfügen über die notwendige apparative Ausstattung:

Unser diagnostisches Vorgehen

  • Ausführliche Anamnese — Art des Schwindels, Dauer, Auslöser und Begleitsymptome
  • Klinisch-neurologische Untersuchung mit speziellen Gleichgewichtstests
  • Videonystagmographie (VNG) — Aufzeichnung der Augenbewegungen mit Infrarotkamera zur Erkennung von Nystagmus (unwillkürliche Augenbewegungen) als Hinweis auf die Schwindelursache
  • Lagerungstests nach Dix-Hallpike und Seitenlagerung zur Diagnostik des Lagerungsschwindels
  • Kopfimpulstest zur Prüfung des Gleichgewichtsnervs
  • Blutdruckmessung und Kreislauftests (Schellong-Test)
  • Bei Bedarf Labordiagnostik und Überweisung zur Bildgebung (MRT) oder zum HNO-Arzt

Behandlung und Therapie

Die Therapie richtet sich gezielt nach der diagnostizierten Schwindelform:

Spezifische Behandlungen

  • Lagerungsmanöver (Epley, Sémont) bei Lagerungsschwindel — oft schon nach einer Sitzung beschwerdefrei
  • Medikamentöse Akut- und Prophylaxetherapie bei Morbus Menière (Betahistin, Diuretika)
  • Migräneprophylaxe bei vestibulärer Migräne (Betablocker, Flunarizin, Topiramat)
  • Kortison-Stoßtherapie bei akuter Neuritis vestibularis
  • Verhaltenstherapeutische Ansätze bei funktionellem Schwindel

Vestibuläre Rehabilitation

  • Gezieltes Gleichgewichtstraining zur Förderung der zentralen Kompensation
  • Blickstabilisierungsübungen bei Gleichgewichtsnervausfall
  • Sturzprophylaxe-Training, insbesondere bei älteren Patienten
  • Desensibilisierung bei Bewegungsempfindlichkeit
  • Anleitung zu Heimübungen für den langfristigen Therapieerfolg

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Nicht jeder kurze Schwindelmoment erfordert einen Arztbesuch. Folgende Situationen sollten Sie jedoch ernst nehmen:

Warnsignale — zeitnah zum Neurologen

  • Schwindel, der wiederholt auftritt oder über Tage anhält
  • Drehschwindel bei Kopfbewegungen (Hinweis auf Lagerungsschwindel)
  • Schwindel mit einseitiger Hörminderung oder Ohrgeräuschen
  • Zunehmende Gangunsicherheit und Sturzneigung
  • Schwindel, der Ihre Arbeitsfähigkeit oder Alltagsaktivitäten einschränkt

Warnsignale — sofort in die Notaufnahme

  • Plötzlicher heftiger Schwindel mit Doppelbildern, Sprachstörungen oder Lähmungen — Verdacht auf Schlaganfall
  • Akuter Drehschwindel mit schwerem Erbrechen und Unfähigkeit zu stehen oder zu gehen
  • Schwindel nach Kopfverletzung
  • Bewusstlosigkeit in Verbindung mit Schwindel

Häufig gestellte Fragen

Ist Schwindel gefährlich?

Die meisten Schwindelformen sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Der häufige Lagerungsschwindel ist vollkommen harmlos und sehr gut behandelbar. Allerdings kann Schwindel in seltenen Fällen auf eine ernste Erkrankung wie einen Schlaganfall hindeuten. Deshalb ist eine neurologische Abklärung bei neu aufgetretenem oder anhaltendem Schwindel immer sinnvoll.

Was ist ein Lagerungsmanöver?

Ein Lagerungsmanöver (z. B. das Epley-Manöver) ist eine einfache, schmerzlose Behandlung des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels. Durch gezielte Kopf- und Körperbewegungen werden losgelöste Ohrsteinchen aus dem Bogengang des Innenohrs zurück an ihren Ursprungsort befördert. Die Erfolgsrate liegt bei über 90 Prozent, oft bereits nach einer einzigen Behandlung.

Kann Schwindel psychisch bedingt sein?

Ja, der sogenannte funktionelle oder phobische Schwankschwindel ist eine häufige Schwindelform, die durch Angst und erhöhte Selbstbeobachtung des Gleichgewichts entsteht. Er tritt oft nach einer organischen Schwindelerkrankung auf und ist mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen sehr gut behandelbar.

Wie läuft eine Videonystagmographie ab?

Bei der Videonystagmographie tragen Sie eine spezielle Brille mit eingebauter Infrarotkamera. Diese zeichnet Ihre Augenbewegungen auf, während wir verschiedene Tests durchführen — etwa Kopfbewegungen, Lagerungstests oder eine Kalt-Warm-Spülung des Gehörgangs. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert etwa 20 bis 30 Minuten.

Schwindel abklären lassen

Schwindel muss nicht sein. Lassen Sie die Ursache in unserer Praxis in Böblingen abklären — mit moderner Diagnostik und gezielter Therapie.

Verwandte Themen